Aktuelles

Neues aus der Genossenschaft.

Wir halten Sie auf dem Laufenden: Gründung, neue Projekte, Veranstaltungen und Beschlüsse aus der Generalversammlung.

Katharina von Weschpfennig und Marco Hebel unter den Modulen in Wadersloh-Liesborn. Foto: Schwarmkraft eG
21.08.2026

Agri-PV in echt: zu Gast bei der größten Anlage Nordrhein-Westfalens

Auf Einladung von NRW.Energy4Climate haben wir uns angesehen, wie Heidelbeeren und 23 Megawatt Solarstrom auf derselben Fläche funktionieren.

Wadersloh-Liesborn, 20. August 2026. Auf 17 Hektar wachsen hier Heidelbeeren – und darüber, auf Stelzen, stehen 23 Megawatt Photovoltaik. Es ist die größte Agri-PV-Anlage Nordrhein-Westfalens und nach Medienberichten die zweitgrößte Deutschlands. Wir waren eingeladen, sie uns aus der Nähe anzusehen.

Eingeladen hatte NRW.Energy4Climate, die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz, im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums. Die Fachveranstaltung „Agri-Photovoltaik vor Ort erleben" fand im Rahmen der Initiative Agri-PV in NRW statt. Für das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sprach Dr. Adrian Amelung, für NRW.Energy4Climate führten Lara Würfel und Jonas Klamka durch Planung, Genehmigung und Marktlage. Die Zahl der Plätze war begrenzt, weil alles direkt auf der Hofstelle stattfand.

Die Zahlen aus dem Ministerium bestätigen, worauf wir unsere Arbeit stützen: 14,4 Gigawatt Photovoltaik waren Ende 2025 in Nordrhein-Westfalen am Netz, bis 2030 sollen es 21 bis 27 Gigawatt sein. Der Zubau lag 2025 zum dritten Mal in Folge über zwei Gigawatt – aber 92 Prozent der installierten Leistung sitzen auf Dächern und nur 8 Prozent auf Freiflächen; bundesweit ist das Verhältnis 66 zu 34. Nordrhein-Westfalen muss also ausgerechnet dort aufholen, wo die Fläche knapp und die Landwirtschaft stark ist. Dass die Agri-PV im Landesentwicklungsplan bessergestellt ist – auf hochwertigen Ackerböden und in den landwirtschaftlichen Kernräumen sind große Solaranlagen ausschließlich als Agri-PV vorgesehen – ist die logische Folge daraus. Es ist die eine Bauform, die der Landwirtschaft die Fläche nicht wegnimmt.

Sehen wollten wir deshalb nicht die Theorie, sondern die Praxis: wie sich das, was wir für unsere eigenen Flächen planen, im laufenden Betrieb anfühlt. Betriebsleiter Phillip Hoberg, dessen Agri PV Beeren – Sonne GmbH & Co. KG die Anlage betreibt, die Planer und NRW.Energy4Climate haben Genehmigung, Technik und die ersten Betriebsmonate durchgesprochen – und danach sind wir zwischen den Reihen hindurchgelaufen.

Der Eindruck unter den Modulen ist ein anderer, als Fotos ihn vermitteln. Es ist hell, es ist luftig, und die Beeren stehen dicht. Für die Pflanzen sind die Module Schutz vor Hagel, Starkregen und zu viel Hitze; für die Fläche heißt es, dass sie zweimal genutzt wird, ohne dass die Landwirtschaft weichen muss.

Eins zu eins übertragen lässt sich das allerdings nicht. In Wadersloh stehen die Module über einer Dauerkultur – Heidelbeersträucher bleiben jahrelang stehen, dazwischen wird mit schmalem Gerät gearbeitet. Bei uns im Oberbergischen überwiegt Grünland, nicht Ackerbau. Wir halten dafür einachsige Tracker für die passende Lösung: Modulreihen, die der Sonne nachgeführt werden und weit genug auseinanderstehen, dass zwischen ihnen gemäht und beweidet werden kann. Die Bauform ist also eine andere – das Ziel dahinter ist genau das richtige: eine Fläche, die zweimal etwas leistet.

Dass solche Projekte einen langen Atem brauchen, wissen wir; Wadersloh führt es exemplarisch vor. Die erste Kontaktaufnahme mit der Gemeinde fiel ins Jahr 2019, der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan in den März 2023, die letzte Baugenehmigung in den Mai 2025; gebaut wurde ab dem Sommer 2025. Rund sechs Jahre von der Idee bis ans Netz. Inzwischen ist einiges leichter geworden. Agri-PV im räumlichen Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen Betrieb gilt im Außenbereich als privilegiert – die Gemeinde muss dafür keinen Bebauungsplan mehr aufstellen, und allein dieses Verfahren kostet sonst schnell ein bis zwei Jahre. Nordrhein-Westfalen legt jetzt nach: Zum 1. September 2026 tritt die neue Landesbauordnung in Kraft, die bestimmte Freiflächen-Solaranlagen in die Genehmigungsfreistellung aufnimmt. Ein Freibrief ist das nicht – Planungsrecht und Naturschutz gelten unverändert, die Verantwortung wandert lediglich vom Amt zum Bauherrn und seinen Fachleuten. Aber ein Vorhaben wie dieses dürfte künftig deutlich schneller ans Netz gehen.

Bestätigt hat der Tag auch, was wir mit unserem Batteriespeicher in Reichshof ohnehin verfolgen. 2025 gab es in Deutschland 573 Stunden mit negativen Strompreisen – sieben Prozent aller Stunden des Jahres, aber rund ein Viertel der Erträge einer Anlage, die alles sofort einspeist. Wer heute eine große Solaranlage plant, plant den Batteriespeicher deshalb gleich mit: Er verschiebt den Strom aus der Mittagsspitze in die Stunden, in denen er gebraucht wird und etwas wert ist. In einer Modellrechnung des bauausführenden Unternehmens erlöste die Kombination aus Anlage und Speicher fast das Dreifache dessen, was die Anlage allein eingebracht hätte – eine indikative Simulation an einem Beispielprojekt, aber sie weist genau in die Richtung, in die wir arbeiten: Erzeugung und Speicher gehören zusammen gedacht.

Kennengelernt haben wir außerdem jemanden von der BürgerEnergieGenossenschaft-58 aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, und was er erzählte, war für uns interessant. Gute Erfahrungen mit dem Bürgerenergiefonds NRW, aus dem Land und NRW.BANK die Planungskosten von Bürgerenergieprojekten vorfinanzieren. Und eine Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden im eigenen Umfeld, die ausgesprochen gut läuft – über hundert Anlagen auf Dächern der Region sind daraus seit 2010 geworden. Wir haben verabredet, in Kontakt zu bleiben.

Für unser eigenes Agri-PV-Vorhaben nehmen wir vor allem eine Bestätigung mit: Der Ansatz trägt, er ist genehmigungsfähig, und die ersten großen Anlagen laufen. Wir müssen ihn für das Oberbergische nur richtig übersetzen.
Bürgermeister Jan Gutowski (r.) mit den Gründern der Schwarmkraft eG. Foto: Schwarmkraft eG
13.08.2026

Gemeinde Reichshof und Schwarmkraft eG bringen die Energiewende gemeinsam voran

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Gemeinde Reichshof – Bürgermeister Jan Gutowski ist eines der ersten Mitglieder.

Reichshof, 13.08.2026. In Reichshof wird die Energiewende zur gemeinsamen Sache. Die Gemeinde Reichshof und die neu gegründete Bürgerenergiegenossenschaft Schwarmkraft eG haben vereinbart, lokale Energieprojekte künftig gemeinsam voranzubringen. Die Gemeinde begleitet die Vorhaben aktiv und prüft, sich an geeigneten Projekten auch wirtschaftlich zu beteiligen. Damit setzt Reichshof ein Zeichen: Hier wird Energiewende nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht, sondern mit ihnen, und jede und jeder kann von Anfang an dabei sein. Ganz nach dem Leitsatz der jungen Genossenschaft: Die Energiewende gehört in Bürgerhand.

Die Schwarmkraft eG ist bewusst als Genossenschaft von hier für hier gegründet worden, mit klarem Fokus auf Reichshof. Hinter ihr stehen keine auswärtigen Investoren, sondern Menschen von hier, darunter Fachleute aus der Energiewirtschaft, die Projekte dieser Art beruflich planen, bauen und betreiben. Ihr Antrieb geht über Klimaschutz und Energiewende hinaus: Es geht darum, die Wertschöpfung aus Sonne und Speichertechnik dort zu halten, wo sie entsteht, in Reichshof, und zwar für alle, die hier leben.

Mitmachen kann jede und jeder, schon ab 50 Euro. Die Mitgliedschaft ist bewusst niedrigschwellig gehalten: Ein Genossenschaftsanteil kostet 50 Euro, ein Aufgeld fällt nicht an, damit die Beteiligung an der Energiewende nicht vom Geldbeutel abhängt. Für die Mitglieder von hier, aus Reichshof und den angrenzenden Gemeinden, gilt dabei das genossenschaftliche Prinzip eine Person, eine Stimme: Wer mit einem Anteil dabei ist, hat in der Generalversammlung dasselbe Stimmrecht wie jedes andere Mitglied, unabhängig von der Höhe der Beteiligung. Auch wer weiter weg wohnt, kann die Genossenschaft als investierendes Mitglied unterstützen, ab zwei Anteilen und ohne Stimmrecht, denn über die Projekte vor Ort sollen die Menschen entscheiden, die hier zuhause sind.

Die Zusammenarbeit startet nicht auf dem Papier: Ein erstes gemeinsames Projekt ist bereits in Vorbereitung, weitere Vorhaben werden geprüft. Über konkrete Beteiligungen der Gemeinde entscheiden dabei wie bei allen Vorhaben dieser Größenordnung der Rat und seine Gremien, jeweils auf Grundlage einer unabhängigen wirtschaftlichen Prüfung. Zu jedem Projekt wird es frühzeitig Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten geben. Wer jetzt Mitglied wird, erfährt dabei unmittelbar und aus erster Hand, was ansteht. Und auch alle anderen bleiben auf dem Laufenden: Über kommende Projekte informieren Gemeinde und Genossenschaft öffentlich über die Presse.

Wie überzeugt man in Reichshof von diesem Weg ist, zeigt der Bürgermeister ganz persönlich: Er ist der Schwarmkraft eG als eines der ersten Mitglieder beigetreten.

Jan Gutowski, Bürgermeister der Gemeinde Reichshof: „Mir war wichtig, dass wir in Reichshof nicht abwarten, bis andere die Energiewende für uns machen. Mit der Schwarmkraft eG haben wir dafür genau den richtigen Partner: Sachverstand von hier und das klare Ziel, dass die Erträge bei uns bleiben. Deshalb bin ich auch selbst Mitglied geworden, als einer der Ersten, mit demselben Anteil und derselben Stimme wie jede und jeder andere auch. Das Schönste an diesem Modell ist ja: Es schließt niemanden aus. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem Rat und mit den Menschen in Reichshof zu gestalten. Genau so stelle ich mir Energiewende vor: von hier, für hier, für alle."

Katharina von Weschpfennig, Vorstand der Schwarmkraft eG: „Wir sind eine junge Genossenschaft, und genau darin liegt die Chance: Wer jetzt beitritt, gestaltet von der ersten Stunde an mit. Das nötige Handwerkszeug bringen wir mit: In unseren Reihen sind Fachleute, die solche Projekte beruflich planen, bauen und betreiben und die auch wissen, worauf es beim Netzanschluss ankommt, denn dort entscheidet sich heute oft, was überhaupt gebaut werden kann. Uns treibt beides an: die Energiewende vor Ort und die Überzeugung, dass die Wertschöpfung hierbleibt, in Reichshof, für alle, die hier leben. Wer diesen Weg mitgehen möchte, ist bei uns herzlich willkommen."

Pressekontakt Gemeinde Reichshof: Robin Becker, robin.becker@reichshof.de, 02296/801-325
Pressekontakt Schwarmkraft eG: Katharina von Weschpfennig, info@schwarmkraft.org
06.08.2026

Die Schwarmkraft eG ist eingetragen

Fast zwei Jahre Vorbereitung – ab sofort kann man Mitglied werden.

Fast zwei Jahre hat es gedauert. Jetzt ist es so weit: Die Schwarmkraft eG ist im Genossenschaftsregister eingetragen – und ab heute kann man Mitglied werden.

Angefangen hat es mit einer Frage, die sich hier einige gestellt haben: Warum entstehen bei uns Energieanlagen, deren Erträge anderswo landen? Aus dieser Frage ist über Satzungsentwürfe, Gespräche mit dem Prüfungsverband und viele Abende nach Feierabend eine Genossenschaft geworden.

Was uns dabei wichtig war: Die Anlagen sollen den Menschen hier gehören. Deshalb die Rechtsform Genossenschaft – jedes Mitglied hat genau eine Stimme, unabhängig davon, wie viele Anteile es hält.

Getragen wird das von einem Team aus der Region, das ehrenamtlich arbeitet: mit Erfahrung aus Energierecht, Netzplanung, Photovoltaik- und Batterietechnik.

In den nächsten Wochen zeigen wir hier, wie die Genossenschaft arbeitet, wer dahintersteht und woran wir gerade konkret planen.

Anteile gibt es ab 50 Euro, gezeichnet wird online in wenigen Minuten.
Schwarmkraft eG Schwarmkraft eG

Bürgerenergie für unsere Region. Gemeinsam finanzieren wir Energieprojekte vor Ort – demokratisch und regional.

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